Die Verantwortung der Modeindustrie für Clean – Fashion

Ich habe einen Job für dich! Mindestens 320 Stunden im Monat (80h/Woche) für einen Gehalt von ungefähr 100€ Netto. Falls du dieses Angebot für ungerecht empfindest, ist es leider die Realität vieler Textilenarbeitern aus den Entwicklungsländern.

Fair Trade Kleidung schafft ein Bewusstsein, doch unser Kaufverhalten steht uns im Weg

Als Primark so langsam in Deutschland populär wurde und ich den ersten Shop in Berlin besucht habe, konnte ich nicht glauben wie unglaublich günstig die Produkte waren. Ein Pullover und eine Jeans Hosen für insgesamt 10€. Eine Jacke für 20€ und dazu noch billige, aber stylische Schuhe für 5€. Schon hatte man für weniger 50€ ein gesamtes Outfit erstellt. Als Jugendlicher machte man sich eben keinen Kopf wie die Produkte hergestellt wurden, sondern sie sollten 2 Dinge haben: Gut aussehen und und günstig sein. Diese Verhaltensweise ändert sich im Erwachsenenalter nur bedingt. Mit dem steigenden Einkommen ist man gerne bereit mehr auszugeben, vor allem für Luxusprodukte oder zumindest für Luxusprodukte, die man als solche erachtet. Als ich dann bei einer Reportage herausfand, dass Zara For Men seine Bekleidung in den selben Fabriken herstellt wie Kik und Gucci. Kam bei mir der Gedanke der Ernüchterung auf. Ich bezahle nicht mehr für eine Hose, weil die Qualität den Preis bestimmt, sondern nur für den Namen der Hose.

Wenn du wissen möchtest wie viel ein Bekleidungsstück in der Produktion gekostet hat. Musst du den Preis im Laden durch 4 dividieren und schon hast du die Produktionskosten. Wobei der Lohn der Arbeiter weniger als 1% ausmacht der Kosten ausmacht.

Als ich das erste Mal einen Shop für nachhaltige Mode in Berlin betreten habe, bin ich sofort mit dem Rücken wieder rückwärts zurück gegangen. Ich kam natürlich mit der Erwartung mir einen “teuren Pullover” für 20€ zu kaufen und war ich über die Preise schockiert. Frustriert, dass meine Erwartungen nicht erfüllt worden sind habe ich den Laden wieder verlassen.

Im Laufe der Zeit bin ich auf einen sehr interessanten Artikel gestoßen, der mich zum Nachdenken angeregt hat. Mir wurde bewusst, dass mein Verständnis was Kleidung eigentlich ist, in Wirklichkeit durch quantitative Vorstellungen genährt wurde. Für mich war es schon immer normal gewesen, dass Bekleidung günstig sein muss. Auch war es normal im Kaufrausch viele Textilprodukte zu kaufen und nur einmal bis gar nicht anzuziehen. Wenn man jedoch beginnt sein Kaufverhalten zu hinterfragen und die Bekleidung als ein wirkliches Luxusprodukt mit Nachhaltigkeit ansieht, dann kommt zumindest bei der nächsten Shopping Tour der Gedanke auf wie viel die Hose kostet und ob es für einen vertretbar ist diese Hose zu kaufen. Ob man letztendlich dann den Gang zur Kasse macht oder nicht, bleibt einem selber überlassen.

Wenn du mehr über die Produktionskosten von Bekleidung erfahren möchtest, dann solltest du diesen Artikel unbedingt lesen: Faire Kleidung 

Wo ein Fairtrade Zertifikat dran steht, ist nicht immer Fairtrade drin

Viele etablierte Markenprodukte aus der Fashion Branche haben den grünen Hype für nachhaltige Produkte entdeckt und begonnen sich als Vorreiter in der Slow Fashion Industrie zu präsentieren. Selbst Primark hat seine Mode mit “nachhaltiger Baumwolle” beworben. Das Problem an der Geschichte mit den Fairtrade Zertifikaten ist, dass solche Unternehmen ebenfalls das Recht haben ein eigenes Zertifikat zu nutzen. Man kann also die Arbeitbedingungen in einzelnen Fabriken leicht ändern und als Musterbeispiel für nachhaltige Modeproduktion präsentieren. Aber in der gesamten Produktion bleiben die Verhältnisse gleich. Auch über die Faitrade Zertifikate dürfen wir uns als Kunden nicht täuschen lassen. Es ist für etablierte Unternehmen aus der Fast Fashion erheblich kosteneffizienter sich mit einem inhaltslosen Grünen Siegel zu präsentieren als die gesamte Unternehmensstruktur zu ändern. Zumal auch hier der Kunde mit seinem Kaufverhalten ins Spiel kommt. Wer es gewohnt ist bei Zara einen Pullover für 30€ zu kaufen. Wird nicht plötzlich anfangen 60€ ausgeben zu wollen. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.

Falls du mehr über echte Fairtrade Zertifikate erfahren möchtest, kann ich dir diesen kurzen Artikel empfehlen: Fairtrade Zertifikate

Zusammenfassung

Textilprodukte mit Nachhaltigkeit geben dem Kunden nicht nur das gute Gewissen einen positiven Beitrag für die Umwelt getan zu haben, sondern man bekommt als Kunde mit seinem Konsumverhalten die Möglichkeit einen ebenso positiven Beitrag für menschenwürdigere  Arbeitsbedingungen zu schaffen. Doch leider sind wir als Kunde es gewohnt unsere Mode möglichst günstig zu erwerben, weshalb sich die etablierten Modeunternehmen auf unser Kaufverhalten fokussiert haben und diesem Wunsch gerne nachkommen.

Ich persönlich denke, dass man die Modeunternehmen nur zum Handeln bringen kann, wenn man sein Konsumverhalten überdenkt. Sobald sich die Verkaufszahlen an der Kasse spürbar ändern, sehen sich auch die Big Player dazu aufgefordert einem neuen, echten Kundenwunsch nachzukommen: nämlich nach wirklicher nachhaltiger Mode.

Was ist deine Meinung zu nachhaltiger Mode? Hast du schon mal solchen einen Shop besucht bzw. was hat dich davon abgehalten es nicht zu tun?